Molo Mbali- Ein Wochenende als Xhosa

"Es gibt eine schöne Offenheit, die sich öffnet wie eine Blume: Nur um zu duften." - Friedrich von Schlegel

Zizo und ich vor dem Haupthaus
Zizo und ich vor dem Haupthaus

Über das Wochenende habe ich mein „normales Leben“ in gewisser Weise ablegen und das Xhosa-Leben annehmen können. Arne und ich waren von einer guten Freundin eingeladen, zu einer großen traditionellen Feier in die Rural Area zu kommen.
So habe ich von Freitag bis Montag in einem nicht zu großen Haus, zusammen mit einigen Tanten und Schwestern von Noxi, der Freundin, geschlafen und gelebt. Gewaschen wurde sich mit Schüsseln und Seife, die Toilette befindet sich als Plumpsklo in einer Wellblechhütte mitten im Garten. Einen Wasserhahn im Haus gibt es nicht, Wasser wird aus dem großen Tank neben dem Haus genommen. All das mag sehr sehr einfach klingen, aber mir hat es erstaunlicherweise gar nichts ausgemacht, meinen Standard komplett abzulegen und einfach mal anders zu leben. Der Ort, in dem sich das Grundstück der Familie befindet, ist ein kleines Bergdorf. So kannten uns am Sonntag Abend gefühlt schon alle, Kinder kamen zum Spielen und jeder, der vorbei ging hat lieb gegrüßt.
Die Feier, wegen der wir uns auf den Weg in die Berge gemacht haben, war die Rückkehr Noxis Bruders aus dem Busch. In der Xhosa-Tradition werden Jungs mit cirka 18 Jahren beschnitten und leben dann alleine, oder mit anderen des gleichen Alters zusammen, für ungefähr 1 Monat in kleinen Holzrundhütten in der Natur. Es kommt jemand, der nach ihnen sieht und der ihnen Essen bringt, sich vor Tieren und anderen Gefahren verteidigen, müssen sie selbst und auf sich gestellt. Wenn nach dieser Zeit mit einigen Ritualen die Jungs als Männer zurück kommen, werden sie in der Kultur auch als diese respektiert, andernfalls dürften sie nie mit Männern zusammen speisen oder gesehen werden. Für uns mag es komisch klingen, aber gerade in den Rural Areas ist es sehr wichtig für die Tradition. Die Feier selbst war wunderschön, als Noxis Bruder und ein anderer mit Begleitung der Männer wiederkamen, wurde getanzt und gesungen. Dieses wurde den ganzen Tag von 9 bis 19 Uhr in etwa fortgeführt. Die Frauen haben ganz viel getanzt, gesungen, gekocht, gearbeitet, geredet. Hierbei war ich auch sehr involviert. Auch durfte ich einen traditionellen Rock von einer Cousine tragen, das war wirklich toll für mich!

Bei den Männern läuft es mehr darauf hinaus, nachdem die Kuh auseinandergenommen wurde (Es wird wirklich jeder Teil verwendet), den ganzen Tag zu Essen und zusammen zu sitzen.
Am nächsten Tag wurde dann gemeinsam aufgeräumt.
Ich habe mich das ganze Wochenende sehr wohl in der Familie und in dem Haus gefühlt. Arne und ich wurden sehr sehr lieb aufgenommen, als Bruder und Schwester und somit Teil der Familie benannt. Uns ist gesagt worden, wie besonders es sei, wenn Weiße in dieses Dorf kommen und dass sich alle sehr gefreut haben, dass ich zum Beispiel die ganze Zeit mitgesungen und getanzt habe, obwohl ich die Texte nicht kenne und auch die exakten Tanzschritte nicht beherrsche.
So habe ich jetzt einen Xhosa-Namen erhalten. Dieser lautet „Mbali“ und meint so viel wie „Blume“. Ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt, mit diesem Namen und nicht mit "Hanna" angesprochen zu werden, es passte ins Ganze einfach rein.

Am Montag musste ich dann wieder in mein gewohntes Leben zurückkehren, vollgepackt mit guten Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Friedo (Sonntag, 27 Dezember 2015 22:53)

    Schöne Erlebnisse, tolle Fotos und tolle Beschreibung!!!