Das Leben im House of Resurrection

“Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“

Nachmittag-/ Abendbeschaeftigung
Nachmittag-/ Abendbeschaeftigung

Ich habe in letzter Zeit oft Besucher im House of Resurrection herumgeführt und ihnen erklärt, was die Vision und die Arbeitsweise des Heimes sind. Dadurch ist mir wieder bewusst geworden, was für eine Wichtigkeit sich hinter dem Konzept eines Kinderheimes verbirgt und wie interessant es für Außenstehende ist, zu sehen, wie dort gelebt wird.
Deswegen möchte ich euch das Leben im Haven in diesem Blogeintrag etwas genauer erklären. Karo und ich haben vor Kurzem endlich mal dort übernachtet. Schon lange zuvor haben uns die Kinder gefragt, wann wir denn endlich mal bleiben würden. Letztendlich haben wir uns so wohl gefühlt, dass wir jetzt öfter in unserer Arbeitsstelle und unserem 2ten zu Hause bleiben wollen. Wir konnten durch unsere lange Anwesenheit den ganzen Alltag der Hausmütter und Kinder mit verleben und nicht nur den halben bis die Mitarbeiter wieder weg sind. Ich werde nun einmal den Tagesablauf beschreiben:
5:00 Uhr: Ich als Hausmutter wache jetzt auf. Ich muss meine 6-7 Kinder wecken, dafür sorgen, dass sie ihre Schuluniformen ordentlich anziehen und ihre Schulsachen alle einpacken. Ich muss ihnen die Brotboxen fertig machen, Saft vorbereiten und das Frühstück, in der Woche gibt es Porridge, vorbereiten.
5:30 Uhr: Ich als Kind wache nun auf. Ich mache mich fertig und frühstücke zusammen mit meinen Brüdern und Schwestern. Meine Hausmutter hat schon alles für mich vorbereitet.
6:00 Uhr: Ich bin der Fahrer. Auch ich bin früh aufgestanden, jetzt bin ich von zu Hause ins Haven gefahren, steige in den von VW gesponserten Bus, mit dem ich die Kinder in ihre jeweilige Schule bringe. Da die Kinder auf unterschiedliche, auf ihre Bedürfnisse am besten zutreffende Schulen gehen, müssen wir früh losfahren, damit alle um 8 Uhr pünktlich in den Schulen sind. Danach werde ich die Mitarbeiter dahin fahren, wo sie hin müssen. Zum Social Department, zum Einkaufen, zum Arzt…Mittags hole ich dann die Kinder wieder ab, bevor ich mit den Mitarbeitern und Freiwilligen im Auto wieder nach Hause fahre und die Mitfahrenden an ihren Wohnorten absetze.
7:00 Uhr: Meine Kinder sind jetzt weg, ich habe meine Ruhe. Kurz gehe ich duschen, trinke einen Tee und frühstücke selber mein Porridge. Ich habe viel zu tun, bis die Kinder wieder zurück sind. Ich muss mich um einige Angelegenheiten der Kinder kümmern, ich muss mein Cottage putzen und vieles mehr. Vom frühen Aufstehen bin ich müde.
8-14 Uhr: Wir Mitarbeiter und Freiwillige im Haven sorgen dafür, dass der großzügige Garten gepflegt wird, dass das Gebäude sauber bleibt, dass Kaputtes repariert wird und die Finanzen überblickt werden. Wir kümmern uns um Spenden, organisieren Ausflüge für die Kinder, Nachmittagsprogramme, sind für Besucher da.
14-15 Uhr: Wir Kinder kommen aus der Schule wieder nach Hause. Einige von uns können gehen, andere werden von Hanna oder Karo abgeholt und die meisten werden von Uncle, unserem Fahrer, wieder nach Hause gebracht. Wir haben Hunger, denn der Schultag war lang. Ein Glück hat unsere Hausmutter schon für uns Brote vorbereitet und wir können etwas essen, bevor wir Hausaufgaben machen. Hanna und Karo helfen uns dabei. Wenn wir mit ihnen spielen wollen, sind sie oft dabei. Am liebsten machen wir den beiden schöne Frisuren!
16-20 Uhr: Die Mitarbeiter fahren nach Hause. Sie werden jetzt zu ihren Familien fahren und dort ihren Nachmittag und die Nacht verbringen. Wir Hausmütter sehen unsere leiblichen Familien meist nur einmal im Monat. Wir haben unsere Familie hier. Die Kinder sind laut und toben herum. Es ist für uns Zeit, zu kochen, unsere Kinder brauchen ein ordentliches Abendbrot! Nach dem Abendessen waschen wir ab und gucken noch etwas Fern, bevor unsere Kinder dann ins Bett gehen und wir noch etwas länger wach bleiben. Lange ist dies aber nicht, denn wir sind nach dem Tag sehr müde.


Ich hoffe, ich konnte euch so einen Einblick in das Wohnen und Leben im Haven geben. In den letzten Wochen ist mein Respekt vor den Hausmüttern, die ihr privates Leben komplett in ihren Arbeitsplatz „eintauschen“ immens gewachsen. Sie müssen Kinder erziehen, die schwere Vergangenheiten haben, haben dann nicht nur 1 oder 2, sondern gleich 6 oder 7. Sie geben ihren Kindern Liebe und Vertrauen, gleichzeitig müssen sie aber strenge Regeln befolgen und haben begrenzte finanzielle Möglichkeiten. Einige Familien haben kein eigenes Cottage, sondern leben sozusagen auf dem Gang mit begrenzten Platzmoeglichkeiten. Es ist kein einfacher Job, den diese Frauen und auch die anderen Mitarbeiter im Haven bewältigen, aber sie alle sorgen dafür, dass 38 Kinder in einem guten und sicheren Umfeld aufwachsen und zu selbständigen Menschen heranwachsen, die ein Leben voller Chancen vor sich haben.

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